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Didgeridoo & Behindertenarbeit


Akustische und taktile Sensibilisierung durch Sinneserfahrung mit dem Didgeridoo

Seit Anfang 1999 arbeitet Jürgen Breuninger mit taubblinden und geistigbehinderten Menschen in der Jobst und Anna Wichern - Stiftung in 25767 Tensbüttel-Röst.

Konzept Lebensfreude: Musik für Taubblinde
Jürgen Breuninger spielt Didgeridoo für taubblinde Bewohner eines Heimes in Tensbüttel.

Tensbüttel/sh:z - Musik. Rhythmisches Wummern von Trommeln. Exotische Klänge aus dem Didgeridoo, dem Blasinstrument der australischen Ureinwohner. Gesang. - In der Vorstellung ist all das ganz automatisch mit Hören verbunden. Um so schwerer fällt es, sich auszumalen, was Jürgen Breuninger tut:

Der 41-Jährige macht Musik für und mit Menschen, die nicht hören und sehen können: Bewohner des Sonderheims für taubblinde und blinde Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Tensbüttel.

Wie kann das funktionie­ren? Wer den Raum betritt, in dem Breuninger mit Manuel und Michel arbeitet, vergisst die Frage schnell. Die Schwingungen erfüllen den Raum, sind fast greifbar. Man kann sich ihnen kaum entziehen - der Besucher so wenig wie Manuel und Michel.

Das alles konnte sich auch Jürgen Breuninger nicht so recht vorstellen, als Irmtrud Schäfer, die stellvertretende Leiterin des Heims, ihn 1998 nach einem Konzert fragte, ob er nicht mal für die Bewohner spielen wolle. Das Experiment gelang. „Er hat genau den Nerv getroffen, die Schwingungen kommen bei den Leuten an", sagt Irmtrud Schäfer. Höchst unterschiedlich allerdings: „Manche lassen sich vom Rhythmus mitreißen, andere werden völlig ruhig und entspannt."

Michel interessierte sich besonders für das Didgeridoo - und wurde Breuningers erster  „Kunde“ im Heim. Weil seine Mutter während der Schwangerschaft an Röteln erkrankte, ist der 30-Jährige schwerst mehrfachbehindert: Er ist blind und taub, hat eine geistige Retardierung, autoaggressives und autistisches Verhalten, Bewegungsstörungen.                    

Die Kommunikation läuft über einfache Gebärden und Symbole. So signalisiert ein Bambus-Stück, das Breuninger an einem Band um Michels Hals hängt, den Beginn der Musikstunde. Der freiberufliche Sozialpädagoge und Musiker packt das Didgeridoo aus, setzt das Ende auf die große Tisch-Rahmentrommel auf und beginnt zu spielen. Schon nach wenigen Tönen umfasst Michel mit beiden Händen das Instrument, legt den Kopf auf die Trommel - so spürt er die Vibrationen am besten. Zwischendurch führt Breuninger Michels Hand auch an seine Kehle, um ihn Laute spüren zu lassen.

Manuel ist schwerer zur Ruhe zu bringen. Breuninger geht behutsam mit dem Didgeridoo auf ihn zu, Manuel schiebt es weg, zappelt, gibt schrille Laute von sich. Dann beruhigt er sich langsam, macht schnurrende Geräusche als Zeichen von Zufriedenheit. Als Breuninger später Schellen auf die Trommel legt, greift Manuel sofort danach. „Er weiß, dass er die kriegt, aber nicht wenn er aufgeregt ist, sonst lenkt er sich selbst zu sehr ab", erklärt der Musiker.

Manuel müsse man in Ruhe lassen, Michel leiten, weiß der 41-Jährige. Er hat über die Jahre eine enge persönliche Bindung zu den Bewohnern aufgebaut, tauscht sich auch regelmäßig mit den Betreuern aus. „Zunächst denkt man Das ist die Musik, die das alles macht'. Aber das stimmt nicht - es ist der Mensch", sagt er. „Es braucht eine tragfähige persönliche Beziehung." Er müsse auf den einzelnen eingehen. Egal, ob bei den Einzelstunden oder in der Wohngruppe „Schneckenhaus": Breuninger passt auf, dass keiner zu kurz kommt, bezieht alle mit ein, begrüßt nebenbei Ralf, der auf seinem Rollbrett vorbei kommt.

Die Bewohner signalisieren, dass es ihnen gefällt, indem sie ihm zum Beispiel die Hand entgegen strecken - oder schlicht, indem sie da bleiben. „Die Resonanz fällt dünn aus", sagt Breuninger. „Man wird nicht beklatscht, man muss sich an Kleinigkeiten langhangeln."

Es hat lange gedauert, bis er die Zeichen deuten konnte - und der Lernprozess dauert an. „Manchmal missverstehe ich sie; Einer hat mal unter die Trommel gepinkelt, weil ich nicht kapiert habe, dass er aufs Klo will."

Natürlich sind seine wöchentlichen Besuche auch Therapie, sollen die Patienten ausgeglichener machen, den Zugang zu ihnen erleichtern-Es geht auch darum, dass die Leute gefördert werden", sagt Breuninger. Doch im Mittelpunkt steht für ihn das „Konzept Lebensfreude": „In erster Linie soll es Spaß bereiten."
KATRIN GÖTZ 

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Das Sonderheim der Jobst und Anna Wichern-Stiftung
Die Einrichtung für taubblinde und blinde Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Tensbüttel wird seit 1976 von der Jobst und Anna Wichern-Stiftung in privaterTrägerschaft gerschaft geführt. Zunächst war das Haus nur für 20 Kinder ausgestattet, heute leben dort 57 Menschen mit zumTeil schwersten Mehrfach-Behinderungen. Sie sind zwischen zwölf und 47 Jahre alt und kommen überwiegend aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Neben den Didgeridoo-Stunden gibt es auch andere Angebote wie therapeutisches Reiten.


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